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Teil 1: Grundtechnik "Einzelstifte setzen"

Um die geeigneten Öffnungswerkzeuge auszuwählen und richtig einzusetzen müssen Sie verstehen wie ein Schloss funktioniert, wenn es von einem Schlüssel geöffnet wird. Nachfolgend werden Ihnen einige typische Begriffe und Zusammenhänge erläutert. Das Schlüsselprofil beschränkt den Satz von Schlüsseln, die in den Schlosskern eingeführt werden können. Der Schlosskern ist ein Zylinder der sich im Schlossgehäuse drehen kann wenn der richtige Schlüssel ganz eingeführt ist. Der Stift der durch den Schlüssel zuerst berührt wird nennt man Stift eins. Die restlichen Stifte werden der Reihe nach durchnumeriert. Der richtige Schlüssel drückt jeden Stift soweit in das Gehäuse, bis die Lücke zwischen Kernstift und Gehäusestift die Scherlinie erreicht hat. Wenn alle Stifte in dieser Position sind, kann sich der Schlosskern drehen und das Schloss kann geöffnet werden. Ein falscher Schlüssel wird einige der Stifte so auslassen, dass sie die Scherlinie zwischen Schlossgehäuse und Schlosskern blockieren. Genau diese Stifte werden den Schlosskern daran hindern sich zu drehen. Nachfolgende Abbildung erklärt die Einzelteile sowie die Arbeitsweise von Stiftzuhaltungsschlössern. Der Schlüssel wird in den Schlüsselkanal des Schlosskernes eingeführt. Die Vertiefungen auf der gezackten Seite des Schlüssels werden Einschnitte genannt.

 

 

 

 

 

Das Ebenenmodell

 

Sie brauchen sie genaues Verständnis von den Vorgängen im Schloss und der Arbeitsweise von Schlössern um ein guter Lockpicker zu werden, Das Modell hebt die Wechselwirkungen zwischen den Stiftpositionen hervor. Es zeigt, wie sich ein 2-stiftiges Schloss prinzipiell verhält.

Sie nachfolgende Abbildung zeigt das Ebenenmodell eines sehr einfaches Schloss mit zwei Zuhaltungen. Es ist nicht der Querschnitt eines realen Schlosses.

Dieses Schloss soll zwei Metallplatten daran hindern Übereinander zu gleiten, es sei denn, der richtige Schlüssel wäre anwesend. Das Schloss wird mittels durchbohren von zwei übereinander liegenden Platten hergestellt. Zwei Stifte werden in jedem Loch so plaziert, dass die Lücke zwischen den Stiften nicht mit der Lücke zwischen den Platten übereinstimmt. Der obere Stift wird Gehäusestift genannt und von der Feder im Schlossgehäuse in den Schlosskern gedrückt. Der untere Stift wird Kernstift genannt, weil er im Schlosskern vom Schlüssel berührt wird. Ein Vorsprung im Schlosskern verhindert, dass die Stifte herausfallen. Falls der Schlüssel abwesend ist, können die Platten nicht übereinander gleiten, weil die Gehäusestifte durch beide Platten gehen.


 

 

Ebenenmodell eines Schlosses. Obere Ebene = Gehäuse, untere Ebene = Kern.

 

Ebenenmodell

 

Der Schlüssel drückt wie abgebildet, alle Stifte in Richtung Gehäuse.

Der Originalschlüssel hebt die Stiftpaare (Gehäusestift und Kernstift) soweit, dass der Zwischenraum zwischen dem Gehäusestift und dem Kernstift an der Stelle positioniert wird, wo sich die Scherlinie zwischen Schlossgehäuse und Schlosskern befindet. In der obigen Abbildung, hebt der Schlüssel die Kernstifte so weit ab, dass sie die Scherlinie mit ihrer Oberkante erreichen. In dieser Stiftstellung können die Platten übereinander gleiten.

 

Mit dem richtige Schlüssel gestattet es den Ebenen übereinander zu gleiten!

Die Abbildung oben zeigt ein wichtiges Merkmal der meisten Schlösser, das "Spiel". Die Lücke zwischen der oberen und unteren Platte gestattet einem nicht ganz so genauen Schlüssel das Schloss zu öffnen. Beachten sie, dass der zweite Kernstift nicht so hoch wie der erste gehoben wird, und trotzdem passt der Schlüssel.

 

Das Modell wie es schon beschrieben wurde, hebt den Grundeffekt hervor der das Schlossöffnen ermöglicht. Spiel und Fertigungstoleranzen machen es möglich, ein Schloss durch das sogenannte setzen einzelner Stifte zu öffnen.

Daher wird kein Schlüssel gebraucht, der alle Stifte gleichzeitig setzen kann. Einen gesetzten Stift erkennt man daran, dass er die Bewegung des Schlosskerns nicht behindert. Die nachfolgenden Abbildungen zeigen, wie die Stifte eines Schlosses gesetzt werden.

Einfache Kraft, die den Gehäusestift bindet

Oben in der Abbildung wirkt durch Drücken an der untere Ebene etwas Scherkraft auf das Schloss. Diese Kraft bewirkt, dass ein oder mehrere Stifte zwischen der oberen und der unteren Ebene eingeklemmt werden.

Es klemmt zum Beispiel nur ein Stift. Hier ist es der linke Gehäusestift, er hat Bindung. Wenn ein Stift Bindung hat, kann er mit einem Öffnungswerkzeug in das Schlossgehäuse gedrückt werden wie in nachfolgender Abbildung gezeigt.


Das Öffnungswerkzeug drückt den linken Kernstift

 

Wenn die obere Ebene des Kernstiftes die Scherlinie erreicht hat, wird die untere Ebene etwas weiter gleiten. Nimmt man nun das Öffnungswerkzeug wieder weg, dann hält der Gehäusestift autom.durch die Überschneidung der unteren Platte.

Der Kernstift fällt auf seinen Stifthalter hinunter wie in nachfolgender Abbildung zu sehen ist. Die minimale Bewegung der unteren Ebene klemmt einen weiteren Stift ein. Das gleiche Verfahren kann nun benutzt werden, um den nächsten Stift zu setzen.


Der Kernstift fällt auf seinen Stifthalter zurück

 

Vorgehensweise Grundtechnik Einzelstifte setzen

 

  1. Immer nur sehr wenig Kraft anwenden!
  2. Finde den Stift, der am meisten Bindung hat.
  3. Drücke den Stift solange, bis er an der Scherlinie sitzt.
  4. Gehe wieder zu Schritt zwei.

Benutzt man die Grundtechnik um mit Einzelstifte setzen ein Schloss zu öffnen, so sollte man immer nur wenig Kraft anwenden. Mit dem Haken versucht man den Stift zu finden der bindet, also eingeklemmt ist. Dann drückt man auf ihn bis die gehäuseseitige Kante des Kernstiftes die Scherlinie erreicht. Es macht klick und der Schlosskern wird sich geringfügig bewegen. Der Gehäusestift wird dadurch über der Scherlinie festgehalten.

 

 

Grundtechnik Harken

 

Hier erläutern wir Ihnen eine Technik, mit der es Ihnen gelingen mag die meisten Schlösser schnell zu öffnen. “ Das sogenannte Harken “.

Die bereits schon erwähnte Grundtechnik des langsamen ertasten’s der Stifte, die am meisten Bindung haben. Die Grundtechnik Harken streicht mit etwas Druck über alle Stifte. Dieser Druck muss groß genug sein um die Federkraft und die Reibungskräfte zu überwinden, jedoch auch klein genug, um die Kernstifte in das Schlossgehäuse zu drücken. Lassen Sie z.B. die Schlange als Öffnungswerkzeug über einen Stift laufen. Dieser wird bewegt sich bis er das Schlossgehäuse trifft, aber er wird nicht in das Schlossgehäuse eintreten. Sehen Sie sich hierzu nachfolgende Abbildung an (Stifte an der Scherlinie).

 

 

 

Die Kollisionskraft des Kernstiftes mit dem Schlossgehäuse an der Scherlinie widersteht dem Druck des Öffnungswerkzeuges. Das Öffnungswerkzeug gleitet über die Stiftsäule, ohne deren Kernstift in das Schlossgehäuse zu drücken. Falls das richtige Drehmoment angewendet wird, wird sich der Schlosskern geringfügig drehen. Wenn das Öffnungswerkzeug den Stift verlässt, wird der Kernstift zurück in seine anfängliche Position fallen, vorausgesetzt man hält das Schloss mit den Federn nach oben, aber der Gehäusestift wird am Rand des Schlosskerns einen Widerstand finden und an der Scherlinie aufgehalten. Sehen Sie sich hierzu nachfolgende Abbildung an. In dieser Theorie verursacht der Strich des Öffnungswerkzeuges über die Stifte die Öffnung des Schlosses.

 


Der Gehäusestift wird vom Kern am Austreten aus dem Gehäuse gehindert

 

 

Es werden meistens ein oder zwei Stifte während eines Einzel-Striches des Öffnungswerkzeuges gesetzt. Dadurch sind also mehrere Striche notwendig. Grundsätzlich ist es wichtig, dass mit dem Öffnungswerkzeug in beiden Richtungen geharkt und auch dabei das Drehmoment angepasst wird. Nur durch mehrfaches ausprobieren und lernen findet man den korrekten Drehmoment und den richtigen Druck. Sie werden herausfinden, dass die Stifte eines Schlosses dazu neigen, sich in einer bestimmten Reihenfolge zu setzen. Die Hauptursache ist ein Fluchtungsfehler zwischen der Zentralachse des Schlosskerns und der Achse, auf der die Löcher gebohrt wurden. Siehe hierzu die 3 nachfolgenden Abbildungen. Es sind verschiedene Ausrichtungen der Löcher im Schlosskern.

 

 



 

Wenn die Achse der Stiftlöcher schief zur Zentralachse des Schlosskerns liegt, so setzt sich z.B. der Stift 1 nach Stift 5. Kehrt man das Drehmoment um, man dreht also den Schlosskern in die andere Richtung, so setzen sich die Stifte in der umgekehrten Richtung. Es gibt einige Schlösser, die diesen Defekt haben.

Beim Harken muss man nicht auf jeden einzelnen Stift achten, deshalb ist es eine relativ schnelle Technik. Es ist wichtig, das man den richtigen Drehmoment und den richtigen Druck findet. Beim mehrfachen üben, werden Sie merken, ob ein Stift gesetzt ist und das mit der richtigen Kraftübertragung. 

 

 Vorgehensweise Grundtechnik Harken

 

  1. Setzten Sie Ihr Öffnungswerkzeug und den Spanner an, dann ziehen Sie, ohne ein bestimmtes Drehmoment anzuwenden, das Öffnungswerkzeug heraus, um ein Gefühl für die Gängigkeit und den Zustand der Schlossfedern zu bekommen.

 

  1. Legen Sie einen leichten Druck (Drehmoment) mit dem Spanner an. Dann führen Sie das Öffnungswerkzeug ein, ohne die Stifte zu berühren. Wenn Sie jetzt das Öffnungswerkzeug wieder langsam herausziehen, üben Sie einen leichten Druck auf die Stifte aus. Der Druck soll geringfügig größer sein als die notwendige Mindestkraft, welche die Federkraft überwindet.

 

  1. Erhöhen Sie den Druck (Drehmoment) mit dem Spanner langsam bei jedem weiteren rein und herausziehen des Öffnungswerkzeuges, bis sich die Stifte zu setzen beginnen.

 

  1. Halten Sie so den Druck konstant und harken Sie über die Stifte, die noch nicht gesetzt wurden. Falls weitere Stifte nicht sitzen, lassen Sie ein wenig Spannung nach und beginnen wieder mit der Spannung, die Sie in dem letzten Schritt gefunden hatten.

 

  1. Sobald die meisten Stifte gesetzt wurden, erhöhen Sie den Druck und dann harken Sie mit einem geringfügig größeren Druck über die Stifte. Dies wird dann die Stifte setzen, die infolge der abgeschrägten Kanten zu tief gesessen haben.
  2. Ändern Sie die Richtung des Drehmomentes und beginnen Sie bei 2.

 

Handling mit dem Drehhebel

 

 

Der Drehhebel greift meist im unteren Teil des Schlitzes des Schlüsselganges.

Der Drehhebel sollte einen festen Sitz im Profil des Schlüsselganges haben ohne die Bewegungsfreiheit des Schließzylinders im Schließzylindergehäuse zu beeinträchtigen.

 

Es darf nur eine schwache Kraft auf den Drehhebel in Öffnungsrichtung des Schließ­zylinders ausgeübt werden, weil sonst die Sperrstifte jede Drehbewegung des Schließzylinders blockieren und sich dabei so stark verkanten, dass sie mit dem Flachsperrhaken nicht mehr hochgehoben werden können.

 

Handling mit dem Drehhebel

 

 

Die Drehmomentrichtung zur Öffnung

Soll jetzt nur der Zylinder entsperrt und mit einem Flipper geöffnet werden, können beide Richtungen verwendet werden. Wenn der Schlosskern in die richtige Richtung gedreht worden ist, so sollten sie einen zusätzlichen Widerstand fühlen, wenn die Schließnase des Zylinders die Riegel-Feder betätigt. Die Öffnungsrichtung hängt vom Riegel-Mechanismus im Schlosskasten ab und nicht vom der Sperre. Teilweise lassen sich billige Vorhängeschlösser manchmal in beide Richtungen öffnen, dadurch können Sie Ihre Richtung frei wählen.

Die Vorhängeschlösser von ABUS, BKS, MAC, LINCE, Melchert, ROCK, Yale und Zeiss-Ikon öffnen im Uhrzeigersinn. Es sind momentan keine Vorhangschlösser mit Stiftzuhaltung bekannt, die nicht im Uhrzeigersinn öffnen. Die europäische Ausführung von Schlosskästen ziehen den Riegel im allgemeinen bei Rechtsdrehung des Zylinders zurück wenn sie links in der Tür eingebaut wurden. Schlösser, die im Türknauf eingebaut sind, können Sie gewöhnlich im Uhrzeigersinn öffnen. Genau so Schlösser in Schreibtischen und Aktenschränken.

Wenn Sie einen Schloss-Mechanismus nicht kennen, dann versuchen Sie es, den Schlosskern in beide Richtungen zu drehen. In der richtigen Richtung wird der Schlosskern von den Gehäusestiften gestoppt.

Wenn Sie ein starken Druck ausüben, wird sich dieser Stop weicher anfühlen als in die falsche Richtung. In der falschen Richtung wird der Schlosskern durch einen Metallzapfen gestoppt, der sich dadurch hier fester anfühlt.

Wie weit muss gedreht werden

Die meisten Schreibtischschlösser und Aktenschrankschlösser öffnen im bei weniger als 90 Grad Drehung des Schlosskerns. Es kann aber vorkommen, dass wenige Grad nachdem der Riegel zurückgezogen ist der Zylinder wieder sperrt, damit der Schlüssel in offener Position abgezogen werden kann. Drehen sie dann nicht weiter als nötig. Die Schlösser nach USA-Vorbild die im Türknauf eingebaut werden, neigen dazu bei weniger als einer Vierteldrehung zu öffnen. Schlösser, die getrennt vom Türknauf eingebaut wurden öffnen häufig nach einer halben Drehung. Die Deadbolt - Schloss-Mechanismen zu öffnen kann fast eine volle Drehung erfordern. Bei den Schlösser deren Riegel durch zwei volle Umdrehungen des Kerns bewegt werden können, müssen umgekehrt durch fast 720 Grad Drehung entriegelt werden. Hat das Schloss noch zusätzlich eine Falle sind insgesamt mehr als 2 Umdrehungen notwendig um das  Schloss zu öffnen.Hingegen ist das Drehen eines Schlosses um mehr als 180 Grad  nicht schwierig, wenn man bedenkt, dass bei 180 Grad die Gehäusestifte in den Schlüsselkanal eintreten. Um dem vorzubeugen, müssen Sie im kritischen Moment die flache Seite eines Öffnungswerkzeuges benützen um sie im Gehäuse zu halten. Passiert dies unabsichtlich ,dann benutzen sie die flache Seite des Halbdiamanten um die Gehäusestifte wieder in ihr Gehäuse zu drücken und drehen sie dabei weiter.

 

Schlösser mit Scheibenzuhaltung

 

Einführung

Schreibtischschlösser die meist billig sind, haben Metallscheiben anstelle von Stiften. Die nachfolgenden Abbildungen zeigen die Grundarbeitsweise und Ansichten dieser Schlösser. Die Scheiben haben den gleichen Umriss, aber unterscheiden sich in der Plazierung der rechteckigen Aussparung.

 

 

 

 

 

 

Schlösser mit Scheibenzuhaltung sind häufig als Schlösser für Schubladen, Kartei- oder Diskettenkästen und an Kraftfahrzeugen zu finden. Die Sperrscheiben müssen von dem Schlüssel in die richtige Position gedrückt werden, damit sich der innere Zylinder mit dem Schließbügel oder Schließmechanismus drehen lässt.

  

 

 

Ohne Schlüssel werden die Sperrscheiben von Federn, in die sich im äußeren Zylinder befindliche Nut gedrückt und verhindern somit, dass der innere Schließzylinder gedreht werden kann.